Zwischen kolonialer Vergangenheit und kritischer Gegenwart

Rundgang und Workshop am 23.11.2025 mit Viki Zvolski (Salon International e.V.)

Text von Franziska Schaffer

Ich konnte dank dem Salon International e.V. an einem dreistündigen Workshop im und zum sogenannten “Tansania-Park” in Hamburg-Jenfeld teilnehmen. Während wir uns im ersten Teil des Workshops direkt im sogenannten “Tansania-Park” befanden, wurde der zweite Teil in den Räumlichkeiten des Salon International e.V. abgehalten. 

Teil 1: Ein kolonialer Erinnerungsort – oder das schmutzige Geheimnis von Hamburg-Jenfeld?

Wenn du in Hamburg-Jenfeld wohnst, dann wirst du voraussichtlich schon an dem sogenannten “Tansania-Park” vorbeigegangen sein – ohne es zu realisieren. Denn: Am Eingang des sogenannten “Tansania-Park” gibt es keine Hinweisschilder o.ä. – darauf stößt du eher zufällig, wenn vom Salon International e.V. das Tor zum sogenannten „Tansania-Park“ für einen Rundgang geöffnet wird. 

Warum? Weil der sogenannte „Tansania-Park“ kein klassischer Park ist. Es ist eine gepflegte Grünfläche, die verwechselt werden könnte mit einem Park, wären da nicht die „Askari-Reliefs“, die den “Park” dominieren. Reliefs, welche die afrikanische Askari und die deutschen Kolonialsoldaten Seite an Seite zeigen, mit hoch aufgerichteten Köpfen und Stolz in der Körperhaltung. Und zugleich scheint das Relief darauf verweisen zu wollen, dass die Askari und die deutsche Kolonialist*innen eine freundschaftliche Beziehung zueinander hätten, als hätten die Menschen in Tansania die deutschen Kolonialist*innen damals vermisst, als sie gingen – als wären sie Freunde? 

Aber weiter von der Wahrheit könnte die Darstellung tatsächlich nicht sein. Als würden Menschen, die in Unterdrückung und Ausbeutung leben, ihre Knechte vermissen. Das ist wohl ein schlechter Scherz. 

Die Reliefs haben eine eigene bildliche Sprache und eine eindeutige Bildmacht: Der Ruhm und Stolz von Deutschland zur Zeit des Kolonialismus soll gezeigt und geehrt werden, erinnert werden soll eine damalige Großmacht. Dabei erzählt die Realität eine andere Geschichte, die nicht grausamer und blutiger sein könnte: Niederschlagungen von Widerständen in Tansania, Morde, Hinrichtungen, Genozide, die Praktik der verbrannten Erde. Da ist nichts freundschaftliches: Es ist die Sprache der Macht und Gewalt, der Ausbeutung und Unterdrückung, der unverdienten (weißen und blutgetränkten) Privilegien, der Ursprung von Ungleichwertigkeitsideologien, die bis heute wirksam sind. 

Doch von dieser Seite der Geschichte finden wir nichts in dem sogenannten “Tansania-Park” vor. Es gibt keine Schilder dazu, die diese Aspekte beleuchten. Nein, das ist die Seite, die uns Viki vom Salon International e.V. erzählt, die sich bereits seit längerer Zeit mit dieser Thematik auseinandersetzt und für Gerechtigkeit kämpft.

Lange Zeit wurden die Denkmäler romantisiert, die fast schon wehmütigen Darstellungen an den alten Ruhm kaum hinterfragt – bis Initiativen, Aktivist*innen und Wissenschaftler*innen den Fokus auf die Gewalt, die Unterdrückung, Ungerechtigkeit und Ausbeutung legten, und darüber hinaus die Geschichten sowie Perspektiven von den Betroffenen und deren Verwandten in Tansania aufzeigten.  

Teil 2: Warum eine kritische Erinnerungskultur essentiell ist 

Beim Rundgang wurde für mich schnell deutlich: Dieser Ort erzählt nicht einfach eine Geschichte, nein, dieser Ort erzählt eine bestimmte Geschichte: Die Geschichte der vermeintlichen Sieger, der ehemals kolonialen Großmacht Deutschland – eine vermeintlich heroische und rühmliche Zeit. Die kolonialen „Leistungen“ wurden primär heroisiert und ästhetisiert, da sprechen die Reliefs eine eindeutige Sprache. Aber es ist sicher kein Ort, der die Geschichten der betroffenen Personen, die Geschichten von Morden und Genoziden, von verbrannter Erde auf einem kolonisierten Kontinent, der noch heute von der Vergangenheit tief geprägt ist, erzählt. Die Perspektiven auf die koloniale Gewalt, der Versklavung und Unterdrückung wären heute unsichtbar, ungehört geblieben – wäre da nicht der Einsatz des Salon International e.V.

„Der sogenannte “Tansania-Park” hat das Potenzial ein Ort zu werden, der nicht in Hamburg-Jenfeld versteckt werden muss, sondern aufzeigt wie die Verantwortung für das koloniale Hamburger Erbe übernommen, wie die Vergangenheit kritisch beleuchtet und eine gerechtere Gegenwart gefördert werden können.“

Aufgrund des Workshops konnte ich mich intensiv mit der kolonialen Geschichte von Hamburg und dem kolonialen Erbe von Hamburg als Hafenstadt auseinandersetzen. Darüber hinaus habe ich viel gelernt über die damit einhergehende Verantwortung, die wir in Hamburg innehaben: Für eine kritische Auseinandersetzung und Erinnerungskultur, sowie eine angemessene Kontextualisierung des sogenannten Tansania-Parks sollten wir vermehrt als Gesellschaft einstehen und kämpfen. Damit auch die kolonialen Verbrechen und Gräueltaten endlich zum Thema werden – denn die Privilegien von Weißen sind mit Blut getränkt.

Eine kritische Erinnerungskultur im sogenannten Tansania Park ist notwendig, um die historischen Ungerechtigkeiten sichtbar zu machen und koloniale Narrative zu dekonstruieren. Gleichzeitig schafft eine kritische Erinnerungskultur den Raum für öffentliche Bildung, indem der sogenannte “Park” zu einem Lernort wird, an dem über koloniale Gewalt, deren Kontinuitäten und die bis heute spürbaren globalen Machtverhältnisse reflektiert werden können. In einer Stadt wie Hamburg unterstützt eine solchermaßen gestaltete Erinnerungskultur zudem ein bewussteres, rassismuskritisches Zusammenleben. Dadurch kann beispielsweise auch populistischen Deutungen der Kolonialgeschichte entgegengewirkt werden. Der sogenannte “Tansania-Park” hat das Potenzial ein Ort zu werden, der nicht in Hamburg-Jenfeld versteckt werden muss, sondern aufzeigt, wie die Verantwortung für das koloniale Hamburger Erbe übernommen, wie die Vergangenheit kritisch beleuchtet und eine gerechtere Gegenwart gefördert werden können. 

Deshalb bin ich umso froher, dass sich der Salon International e.V. ständig und stetig mit dieser Thematik auseinandersetzt und es somit in die Welt hinaus trägt. Es ist ein eindeutiges Zeichen für mehr Gleichheit und Gerechtigkeit, was zum Mitmachen und Teilhaben einlädt. Denn der Salon International e.V. bleibt hartnäckig und stabil, trotz Rückschlägen, Absagen und Gegenwind – und  steht damit für die Menschen ein, die von der Mehrheit vergessen worden sind. Dies verdient unsere Anerkennung.